Wanderung vom 16. bis 18. Februar: Süntel, Egge, Bückeberge, nördlicher Deister.
Vom Bahnhof Bad Münder geht’s fast direkt in den Wald, nur ein paar Häuser und Felder liegen dazwischen. Und gleich geht meine Richtung ein bisschen querfeldein durch sanft gebuckelten, lichten Buchenwald mit kleinen Bächen, wo man sich Stiefel und Hosenbeine zünftig einlehmt. Wie soll man sich sonst von den schnieken Rund-um den-Parkplatz- Wanderern unterscheiden? Kein Mensch im Wald außer stierblickigen, muffeligen Mountainbikern – ist wohl eine Begleiterscheinung ihrer Sportart. Im Cafe am Süntelturm (den man erst sieht, wenn man fast schon dagegen läuft) sitzen dann doch einige Ausflügler – in dicken Jacken – und ich im T-Shirt, so warm ist mir vom Aufstieg. Selbst bei 6° Außentemperatur ist T-Shirt und fleecegefütterte Jacke schon zu warm, wenn man ordentlich ausschreitet.
Später verfranse ich mich an einem Wegstück, als ich’s merke liegen schon einige Serpentinen hinter mir. Ich verspüre wenig Lust, das zurück zu laufen und fasse eine meiner berüchtigten Querfeldeinrouten ins Auge. Wobei ich sofort ein kapitales Wildschwein aufscheuche. Zum Glück hat es mich schon frühzeitig gehört und seine Fluchtrichtung quer zu mir gewählt. Ich staune, mit welcher Energie und Schnelligkeit es in dem schwierigen Gelände bergab saust. Gute Sicht in dem laublosen Wald, die Hauer des Keilers blitzen gefährlich. Dann eine brüchige Felsklippe hoch. Bröseliger Sandstein und lehmig-nasser Boden. Ging so gerade noch mal gut, sollte ich aber nicht wiederholen. Mit 30 hat man das Gefühl, dass man in schwierigen Situationen immer noch ein bisschen zulegen lann, mit fast 60 geht das deutlich nicht mehr. Neue Erfahrung, keine erheiternde. Am Hohenstein ist das Gelände eine richtig steil ins Tal abfallende Klippe. Beim Dunkelwerden schöner Weg Richtung Rohdental am Waldsaum entlang mit blinkenden Lichtern aus dem Tal. Hotelübernachtung ‘Weinschänke Rohdental’. Gutes Essen, gutes Zimmer mit rauschendem Bach als schlafförderndem Hintergrundgeräusch.
Am nächsten Tag sind die Waldschäden durch den Sturm ‘ Kyrill’ noch ausgeprägter. An manchen Stellen muß man sich regelrecht einen Plan machen, wie man am besten da durch kommt. Wo schon Aufräumarbeiten in Gange waren, wird’s noch schlechter, weil der Boden durch die schweren Maschinen aufgewühlt und der Weg zerstört ist. Auf den Kammwegen ist es aber sonst sehr schön. Belohnung zu dieser frühen Wanderzeit: man kann hervorragend ins Tal sehen, nur die kahlen Zweige filtern den Ausblick. Aus der Paschenburg könnte man auch mehr machen, was hat die für eine fantastische Lage! Der Zugang zum Kamm der Egge, der zur einen Seite steil zum Steinbruch abfällt, ist auch nur querfeldein zu erreichen. Unter der Autobahn durch und rüber auf den Bückeberg, wo’s ähnlich ist: viel gefallener Wald, aber auch schöne Abschnitte. In einsamer Lage oben eine Fortbildungsstätte, aber leider keine Übernachtungsmöglichkeit. Runter Richtung Stadthagen nach Nienstädt — Berghotel Sülbeck. Auch hier Essen und Zimmer gut.
Dann am nächsten Tag rüber zur Nordspitze des Deisters. Das war in der Planung ja eher der notgedrungene Rückweg. Gerade die offene Ebene, die auf der Karte so uninteressant aussieht, war aber ein genußvoller Teil. Viel auf Wegen zwischen den Feldern, mit Vogelgezwitscher in den Knicks und Blick auf die waldigen Berge. Den ganzen Tag Sonne. Den Bahnhof im Laufschritt 4 Minuten vor dem Muß erreicht, aber kein (laut fahrplanauskunft.de planmäßiger) Zug. Was nachher im ICE Diskussionen und Nachzahlungen auslöst, die ich heute per Post wieder zurück zu kriegen versuche. Dieses Mal gar keine Fotos gemacht.

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